Als ich direkt nach meinem Stammhirninfarkt in der Intensivstation aufwachte, konnte ich nichts bewegen, außer meine Augen von oben nach unten. Zudem konnte ich nicht mehr sprechen.

Meine Lebensgefährtin vereinbahrte zunächst mit mir einen Code, denn ein Kopfnicken oder schütteln war ja aufgrund der kompletten Lähmung nicht möglich. Auf die Beantwortung ihrer Fragen sollte ich bei "Ja" nach oben gucken und bei "nein" nach unten gucken.

Natürlich kann jeder Patient mit seiner Vertrauensperson einen individuellen, je nach seinen eigenen Fähigkeiten entsprechenden Code vereinbaren. Mittels dieses Codes ist zumindest eine erste, wenn auch mühsame Kommunikation gewährleistet.

Mit der Zeit wurde allerdings diese Art der Kommunikation zu anstrengend. Deshalb wählte meine Partnerin eine "fortgeschrittene" Form der Kommunikation, die ich zwar anfangs ablehnte, die mir aber nach fast nach 4 Wochen so in Fleisch und Blut übergegangen war, daß ich sie vollends akzeptierte.

Dieser Form, eine Buchstabentafel, bediente sich meine Partnerin, aufgrund eines Tipps der Selbsthilfegruppe Lis e.V..

Hier gelangen Sie zu den Abschnitten:

Bedienung Buchstabentafel

Diese Tabelle, bzw. Buchstabentafel sollte man am Anfang zumindest, beidseitig, also lesbar für Patient und Betreuer ausdrucken oder gut lesbar auf eine Pappe od. ähnliches kleben.

Der Betreuer fragt jetzt Stück, Reihe für Reihe und dann Buchstabe für Buchstabe solange ab, bis der Patient das gewünschte Wort fertig hat.

Sollte das Wort für den Betreuer Sinn machen, muß er den Patienten fragen, ob das Wort zu Ende ist oder noch weitergeht.
ZBsp. "auf" oder "aufschreiben".

Bsp.: Der Patient will "Test" buchstabieren:
Der Betreuer fragt: "1.Reihe?"
Der Patient verneint.
Betreuer fragt weiter: "2.Reihe?"
Der Patient verneint wieder
Betreuer fragt erneut: "3.Reihe?"
Jetzt nickt der Patient
Jetzt fragt der Betreuer die Buchstaben der 3. Reihe ab: "q", "r", "s", "t"
Bei "t" nickt logischerweise der Patient

Jetzt merkt sich der Betreuer dieses "t" und er beginnt von Neuem.

Der Betreuer fragt: "1.Reihe?"
Der Patient verneint.
Betreuer fragt weiter: "2.Reihe?"
Der Patient verneint wieder, usw.

Das geht solange, bis er das Wort zusammen hat.

Das ganze Procedere ist nocheinmal in einem veranschaulicht worden.

Nur Geduld

Nur Geduld, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Gerade am Anfang braucht man viel Zeit. Und es ist eine Geduldsprobe für beide Parteien.

Auch sollte sich am Anfang der Betreuer unbedingt jeden Buchstaben aufschreiben. Nach einer Weile prägt man sich die Reihen und die Abfolge der Buchstaben so gut ein, daß man eigentlich die Tafel nicht mehr braucht, da man sie im Laufe der Zeit auswendig kann.

Das Einprägen der Tafel geht deshalb besonders schnell, da diese alphabetisch angeordnet ist.

Nur sind Konsonanten und Vokale voneinander getrennt.

Dies beschleunigt die Kommunikation ungemein, wenn man für die 5. Reihe einen Code vereinbart. (Ich zBsp. gucke nach unten, was nichts anderes bedeutet, als daß ich die 5te Reihe meine.

Zum besseren Verständnis habe ich einen Medienclip eingefügt, um sich ein besseres Bild machen zu können.



Kurzfilm "Reden mit Hilfe der Buchstabentafel"

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Ansicht "klassische Buchstabentafel"

Buchstabentafel zum downloaden

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