Wohn(t)räume

Die eigene Wohnung hat für die Lebensqualität enorme Bedeutung . Jede/r möchte solange wie möglich in einem vertrauten Umfeld selbstbestimmt leben können.

Bei Behinderung und schwerer Erkrankung können die eigenen vier Wände aber schnell zur Falle werden: Treppen und Schwellen, Bäder mit Badewannen oder schwer zugänglichen Duschen, zu schmale Türdurchgänge, bei denen mit Rollator und Rollstuhl kein Durchkommen ist, fehlende oder nicht ausreichende Bewegungsflächen, um mit Rollator oder Rollstuhl rangieren zu können, unerreichbare Schränke, Schalter , Griffe, Geräte und Einrichtungsgegenstände …..

Aber damit muß man sich nicht abfinden. Geeignete Hilfsmittel und technische Produkte können den Alltag erleichtern: Der Einstieg in die Badewanne fällt leichter, wenn man sich an einem Sicherheitsgriff, Haltegriff oder an einer Boden-Decke-Stange festhalten kann. Reicht das nicht mehr aus, empfehlen sich z.B. Badewannendrehsitz oder Badewannenlifter. Einen zu hohen Einstieg bei der Dusche kann man auf einem Sitz, der auf einem Schienensystem montiert ist, überwinden. Das Bett oder dessen Lattenrost können gegen ein elektrisch höhenverstellbares Modell ausgetauscht werden.

Dank einer sog. Umfeldsteuerung, die (gesprochene) Befehle in Signale umsetzt, lassen sich Fenster öffnen und schließen, Licht an- und ausschalten, Geräte bedienen und vieles mehr. Ein Rollstuhl mit (elektrisch)höhenverstellbarem Sitz erschließt Regale , Oberschränke u.v.m. Bei einer Sprachbehinderung erleichtern spezielle Kommunikationshilfen den Austausch. Hörhilfen und Lichtsignalanlagen empfehlen sich bei Schwerhörigkeit. Lesegräte und Leselupen helfen bei Sehbehinderung. Um jederzeit Hilfe rufen zu können, bieten sich verschiedene (Haus)Notrufsysteme an.

Bsp. einer Umfeldkontrolle

Bsp. einer Umfeldkontrolle

mit freundlicher Genehmigung von permobil Deutschland

Die meisten Hilfsmittel werden in der Regel mehr oder weniger problemlos von der Krankenkasse übernommen, wenn ihre Notwendigkeit medizinisch nachgewiesen werden kann. Dafür benötigt man eine ärztliche Verordnung. Aber auch eine Ablehnung ist noch nicht das Ende, denn ein gut begründeter Widerspruch hat oft Erfolg.

Mit Maßnahmen der sog. Wohnraumanpassung kann eine Wohnung insgesamt barriereärmer umgestaltet werden: Türen können verbreitert werden und sich automatisch öffnen. Aus einer Badewanne wird eine bodengleiche Dusche. Es gibt Waschbecken, die mit einem Rollstuhl unterfahrbar sind, ebenso Spüle, Herd und Arbeitsflächen in der Küche.

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Einrichtungsgegenstände und Möbel können mit Auszügen ausgestattet werden und durch Schienensysteme elektrisch höhenverstellbar gemacht werden.

Rampen und Treppenlift erleichtern den Zugang. Hier hat sich in den letzten Jahren viel getan – geblieben ist leider das Problem der Finanzierung. Einen Zuschuß bis zu 2557,-€ (abzüglich 10% Eigenanteil) gibt es von der Pflegekasse bei vorhandener Pflegestufe. Die KfW-Bank hat Programme aufgelegt, die günstige Darlehen speziell für Wohnraumanpassung anbieten. Weitere Kostenträger – je nach Ursache der Behinderung - können sein: Rentenversicherung, Unfallversicherung, Berufsgenossenschaft, Integrationsamt.

Das Sozialamt empfiehlt in der Regel den Umzug in eine geeignete Wohnung und übernimmt keine Kosten. Eigene Kosten können immerhin bei der Steuererklärung abgesetzt werden. Manchmal ist eine Stiftung die Rettung.

Der Vermieter muß vorher schriftlich einwilligen, darf aber seine Zustimmung nur bei schwerwiegenden Gründen verweigern .

Reichen Umbaumaßnahmen nicht aus, ist ein Umzug in eine barrierearme Wohnung langfristig gesehen die beste Lösung. Leider ist dies sehr schwer, da es nicht genug geeignete Wohnungen gibt und schon gar nicht in den Innenstadtbezirken. Außerdem ist die Miete wegen der aufwändigeren Ausstattung oft sehr hoch. Daher gründen inzwischen nicht nur jüngere Menschen mit Behinderung immer öfter eine Wohngemeinschaft. Unter bestimmten Voraussetzungen gibt es Plätze beim Betreuten Einzelwohnen.

Wichtig ist, daß vorhandene Beratungsangebote genutzt werden, um möglichst viele Informationen zu sammeln, die eine Entscheidung erleichtern. Ein bisschen Glück gehört allerdings auch dazu !!

 

verfasst von Christine Gaszczyk

Kontakt:
Christine Gaszczyk        
Dipl.Sozialarbeiterin        
Beratungsstelle für Technische Hilfen und Wohnraumanpassung        
Linienstr. 131        
10115 Berlin    
Tel.: 030 864 910 820 
Fax: 030 864 910 520        
e-mail christine.gaszczyk@vdk.de        
Webseite: www.vdk.de/berlin-brandenburg/

 

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